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Goldrausch in der Schweiz: Gedenkmünze sorgt für Ärger und Wertexplosion

Die Neuauflage einer berühmten 100-Franken-Goldmünze war innerhalb von Minuten ausverkauft, trotz eines Serverabsturzes und der Empörung der Käufer. Die Preise auf dem Sekundärmarkt sind bereits auf 40’000 Franken explodiert. Was macht das “Vreneli” so begehrt – und sollten Sammler auf den Hype des Goldrausches in der Schweiz aufspringen?

Es sollte ein großer Tag für Sammler und Anleger werden – doch am Ende gab es Ärger, Beleidigungen und Rekordpreise: Am 1. Juli brachte die Schweizer Münzstätte Swissmint die streng limitierte Jubiläumsausgabe des 100-Franken-Gold-Vrenelis heraus – genau 100 Jahre nach der legendären Erstausgabe von 1925.

Der Ausgabepreis von 3’500 Franken gab bereits Anlass zur Sorge, denn die 32,3-Gramm-Goldmünze Goldmünze wiegt fast 29 Gramm reines Gold. Doch der wahre Wert lag offenbar nicht im Edelmetall, sondern in der kollektiven Begehrlichkeit: Innerhalb von Minuten war die Auflage von nur 2.500 Stück restlos ausverkauft.

Ein Verkaufsdesaster im Internet – “mehr als peinlich”

Wer hoffte, am 1. Juli um Punkt 9 Uhr seinen virtuellen Einkaufswagen füllen zu können, wurde enttäuscht. Massive IT-Probleme legten den Online-Shop von Swissmint lahm, Teile der Website waren stundenlang nicht erreichbar. Trotz der Vorbereitungen auf mehrere hunderttausend Treffer brach die Infrastruktur einfach zusammen.

Der Verkauf begann sogar erst gegen Mittag – zu spät für viele enttäuschte Kaufinteressenten, zumal der Verkauf in Rekordzeit abgeschlossen wurde. Auf Plattformen wie X (früher Twitter) und in Google-Bewertungen brach Frustration aus. Die Kommentare reichten von “völlig unprofessionell” bis “mehr als peinlich”.

Swissmint selbst behauptet, Hassmails erhalten zu haben, und sieht sich nun mit der Frage konfrontiert, ob der angebliche Serverabsturz hätte vermieden werden können. Zehntausende oder gar Hunderttausende von Kaufinteressenten, die pünktlich zum Verkaufsstart erschienen sind, gehen jetzt auf jeden Fall leer aus.

Preisexplosion: Von 3’500 auf 40’000 Franken in nur wenigen Stunden

Kaum waren die letzten Münzen über den Ladentisch gegangen, begann der Run auf den Sekundärmarkt. Experten hatten es bereits vorhergesagt: “Der Preis wird schnell steigen, sich vielleicht sogar verdoppeln.” Tatsächlich landete ein Exemplar noch am selben Tag auf Ricardo (einer in der Schweiz besonders beliebten Auktionsplattform) für 9.999 Franken, fast das Dreifache des Ausgabepreises.

Ein anderes Angebot ging noch einen Schritt weiter: 40.000 Franken als Sofortkaufpreis, das Elffache des Goldwertes. Zum Vergleich: Das historische Original aus dem Jahr 1925 erzielt bei Auktionen Preise zwischen 20.000 und 25.000 Franken – die Neuauflage mit nur 2.500 Stück ist aber noch seltener. Auf “Ricardo.ch” sind inzwischen rund 20 Angebote aufgelistet, und die Gebote liegen einen Tag nach dem Verkaufsstart zwischen 9’000 und 10’000 Franken; die Auktionen sind aber noch nicht beendet, so dass der Preis noch deutlich steigen kann. Auch auf dem führenden Auktionsportal eBay tauchen die ersten Angebote auf – kurz nach dem Start schoss die erste Auktion auf über 8.500 Euro.

Das Vreneli – Kult, Mythos, Investition

Das Gold-Vreneli ist weit mehr als ein Stück Metall in der Schweiz. Die 1897 als offizielles Zahlungsmittel eingeführte Münze wurde schnell zu einem beliebten Kulturgut und einem traditionellen Geschenk, sei es als “Patenmünze” bei Taufen oder als Zeichen der Wertschätzung für verdiente Mitarbeiter. Als Krisenwährung erwies er sich besonders während der Abwertung des Frankens im Jahr 1936 als nützlich: Der Goldwert überstieg seinen Nennwert, und Millionen von Münzen landeten in Schubladen und Tresoren. Bis heute gilt das Vreneli als Symbol für Stabilität und Werterhalt, insbesondere in Zeiten der Unsicherheit.

Das von Fritz Ulysse Landry entworfene Porträt der jungen Helvetia, inspiriert von der Berner Wirtin Rosa Tännler, hat längst Kultstatus erreicht und wurde 2025 zu ihrem 100. Geburtstag neu interpretiert. Geburtstag neu interpretiert. Die Swissmint hat sogar eigens für dieses Jubiläum die Rolle des Ehrengastes an der weltgrössten Münzmesse, der World Money Fair in Berlin, übernommen und die neue Münze spektakulär in Szene gesetzt. Die sympathische Präsentation der Schweizerischen Eidgenossenschaft, die sich in der Münzwelt bisher eher unauffällig präsentierte und sich um ein neues Image bemüht, dürfte jedoch bei vielen neuen Schweizer Sammlern einen bitteren Beigeschmack hinterlassen.

Wenn Münzen in der Schweiz zum Goldrausch werden

Das Gold-Vreneli aus der Schweiz ist jedoch nur eines von vielen aktuellen Beispielen für extrem limitierte Sonderprägungen, bei denen schon im Vorfeld klar ist, dass die geplante Auflage die Nachfrage nicht decken wird. Dieses künstlich geschaffene Ungleichgewicht mit wenigen Münzen und vielen Interessenten in Verbindung mit technischen Problemen beim Online-Verkauf führt zunächst zu einem raschen Wertanstieg auf dem Sekundärmarkt. Der rasche Weiterverkauf zu überhöhten Preisen erweckt bei den Anlegern den Eindruck, dass es sich um einen nachhaltigen Wertzuwachs handelt.

Doch je mehr Münzanstalten, Nationalbanken und Privatverkäufer dieses Rezept kopieren, desto größer wird die Flut an vermeintlichen Top-Raritäten. Gerade in trendigen Sammelgebieten wie den 2-Euro-Gedenkmünzen oder den modernen Gold- und Silberausgaben erscheinen jedes Jahr zahlreiche streng limitierte Auflagen – auch bei renommierten, oft offiziellen, staatlichen Verkaufsstellen. In der Realität relativiert sich die Wirkung der Beschränkung jedoch, wenn der Markt insgesamt mit immer neuen “Sonder”-Emissionen überschwemmt wird.

Preisverfall nach dem Hype

In vielen Fällen folgt auf den anfänglichen Boom die Ernüchterung: Sobald die ersten Münzen zu überhöhten Preisen verkauft sind und der Hype nachlässt, fallen die Marktpreise oft rapide. Käufer, die in Erwartung rascher Wertsteigerungen große Summen investieren, müssen dann mit Verlusten rechnen. Während klassische Numismatik – wie z. B. historische Goldmünzen mit jahrzehntelangem Sammlerstamm – relativ stabil bleibt, weisen Trend- und Eventprägungen oft eine hohe Volatilität auf.

Demotivation und Rückzug vom Hobby

Für die Sammlergemeinschaft hat diese Entwicklung einen gefährlichen Nebeneffekt: Immer mehr Sammler kapitulieren vor der überwältigenden Fülle an Editionen und dem Gefühl, ständig mit rasanten Preisschwankungen und künstlicher Verknappung konfrontiert zu sein.

Was einst ein langfristiges Hobby war, das Geduld, Fachwissen und die Freude am Aufbau einer Sammlung miteinander verband, ist für viele zu einem hektischen Wettlauf um die vermeintlich nächste große Chance geworden. Enttäuschung und finanzielle Einbußen führen oft dazu, dass Sammler ihr Hobby ganz aufgeben, eine Tendenz, die auch den Wert etablierter Sammelgebiete langfristig schwächen kann.

Ursprünglicher Artikel: Schwerpunkt

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