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Schluss mit der Paketflut: Bald keine kostenlosen Rücksendungen mehr?

Wer Waren im Internet bestellt und wieder zurückschickt, belastet den Versandhandel und schadet der Umwelt. Die Umweltkommission des Ständerats fordert deshalb den Bundesrat auf, den Versandhandel genauer unter die Lupe zu nehmen – und gegebenenfalls strenger zu regulieren. Bald keine kostenlosen Rücksendungen mehr?

Bald keine kostenlosen Rücksendungen mehr?

Ein Freund lädt Sie zu einer Silvester Party ein. Auf der Einladung gibt sie den Dresscode vor: Die Gäste sollen etwas Glitzerndes tragen. Weil sie im eigenen Kleiderschrank nichts Passendes findet und ein Stadtbummel wenig Erfolg verspricht, beginnt die Suche bei einem Online-Händler. Dort gibt es nicht nur eine riesige Auswahl, sondern man kann auch gleich mehrere Kleidungsstücke bestellen – was nicht passt, kann kostenlos zurückgeschickt werden.

Diese Option ist weit verbreitet – die Rücklaufquote in der Modebranche ist außergewöhnlich hoch. Wie hoch sie ist, darüber gibt es unterschiedliche Erhebungen. Laut dem Dienst DPD werden 28% aller Pakete von Online-Händlern zurückgeschickt. Eine Studie der Hochschule Luzern in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Post ermittelte, dass die durchschnittliche Retourenquote der 230 untersuchten Online-Shops bei sieben Prozent liegt. Es gibt aber auch Anbieter, bei denen bis zu 60 Prozent der Bestellungen zurückgeschickt werden.

Online-Händler werden unter anderem wegen der kostenlosen Retouren regelmässig kritisiert. Auch aus der Politik, wie ein aktuelles Beispiel zeigt, hat die Umweltkommission des Ständerats den Bundesrat in einem Postulat aufgefordert zu prüfen, “welche Gesetzesänderungen notwendig sind, um die Anwendung des Verursacherprinzips bei Retouren im Online-Versandhandel sicherzustellen.“

Wirtschaftliche und ökologische Fehlanreize

Konkret soll die Landesregierung eine “Vorfälligkeitsentschädigung“ prüfen: Für jede Bestellung soll der Kunde eine Gebühr im Voraus bezahlen, die er zurückerhält, wenn er die bestellten Produkte behält. Nach Ansicht der Kommission setzt die kostenlose Retoure ökonomische und ökologische Fehlanreize: Zum einen hätten die Einzelhändler dadurch höhere Kosten, zum anderen würde die Umwelt belastet, “weil brauchbare Artikel als Abfall enden und vorher über weite Strecken hin und her transportiert werden.“

Darüber hinaus benachteiligt die kostenlose Rücksendung diejenigen, “die sorgfältig und mit ernsthaften Kaufabsichten bestellen“. Denn die Kosten, die durch kostenlose Rücksendungen entstehen, “werden auf alle Kunden gleichermaßen umgelegt“.

Ein ähnlicher Vorschlag von Nationalrat Michael Töngi (Grüne/LU) wurde im vergangenen Juni von der konservativen Mehrheit im Nationalrat abgelehnt. Töngi forderte eine Kostenpflicht für die Rückgabe. Im Wissen um den Entscheid des Nationalrats hat die Umweltkommission des Ständerats beschlossen, einen Prüfantrag zu stellen. Das Problem bestehe nach wie vor, aber es brauche nun “weitergehende Abklärungen“.

Einzelhändler wollen unnötige Rücksendungen verhindern

Die Online-Händler halten davon wenig. Sie weisen darauf hin, dass sie sehr daran interessiert sind, die Zahl der Rücksendungen so gering wie möglich zu halten, um Kosten zu vermeiden. Der grösste Schweizer Online-Händler, Digitec Galaxus, bestätigt dies: “Unnötige Retouren sind nicht in unserem Interesse.“ Deshalb finden sich auf der Website “viele detaillierte Produktdaten“, und ein Expertenteam beantwortet Fragen zu einzelnen Produkten.

Auch Bernhard Egger, Geschäftsführer des Schweizerischen Detaillistenverbandes, bezeichnet den Vorschlag der Umweltkommission als überflüssig: “Der Detailhandel setzt bereits viele Massnahmen zur Reduktion von Retouren um. Dazu gehören verbesserte Produktbeschreibungen, Größentabellen, Kundenbewertungen und Bonussysteme für Kunden, die kaum etwas zurückgeben.“ Eine gesetzliche Verpflichtung würde laut Egger nur dazu führen, “dass der Schweizer Handel gegenüber dem Ausland benachteiligt wird“. Eine Vorab-Rücksendegebühr wäre zudem “unverhältnismäßig und administrativ extrem aufwendig“.

In jedem Fall ist die Frage der kostenlosen Rücksendung in erster Linie ein gesellschaftliches Problem, sagt Egger: “Wir alle müssen uns fragen, wie wir mit unseren Ressourcen umgehen. Ein neues Gesetz leistet dazu keinen Beitrag“.

Originalartikel: aargauerzeitung.ch, watson.ch

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